Zeit für leistbares Wohnen
Mit dem „Affordable Housing Plan“ hat die EU-Kommission am 16.12.2025 erstmalig eine ambitionierte EU-weite Initiative präsentiert. Ein „Affordable Housing Act“ soll 2026 folgen, Kurzzeitvermietung und Spekulation hintangehalten werden. Finanzierungsmittel für sozialen Wohnbau sollen erweitert werden. Wir haben uns die aktuellen Zahlen zum Thema leistbares Wohnen näher angesehen.
EU-weit wären laut EU-Kommission die Wohnimmobilienpreise von 2013 auf 2024 um +60% gestiegen; die durchschnittlichen Mieten um +20%, wobei die Preise bei Neuvermietungen und in den Städten deutlich stärker gestiegen sind. Genehmigungen wären seit 2021 um -20% zurückgegangen, 20% der Wohnungen würden leer stehen.
Während die Leerstandsthematik oft diskutiert, aber weiterhin schwierig mit Zahlen zu belegen ist (in Österreich wird der Leerstand regelmäßig mit 5% abgeschätzt), gibt es zahlreiche internationale Analysen über Kennwerte zur Leistbarkeit. Weite Anwendung finden dabei die sogenannten Wohnkostenanteile (cost-to-income ratio), also das Verhältnis von Wohnkosten zum Einkommen. OECD-Zahlen aus der „Affordable Housing Database“ (für die EU-Länder basierend auf EU-SILC) geben einerseits den Median aus, andererseits den Anteil an Haushalten, die mehr als 40% ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgeben.
Im Median zeigt das letzte Zahlenupdate Ende 2025, dass Österreich knapp unter dem OECD- und EU-Schnitt liegt. 19% des verfügbaren Einkommens werden im Mittel für Wohnkosten aufgewendet. Die Wohnkostenanteile bei kreditfinanziertem Eigentum liegen mit 13% noch einmal weiter darunter.

In Österreich machen laut OECD bei nur 5% der Bevölkerung die Wohnkosten mehr als 40% ihres Einkommens aus (EU: 7,4%); am privaten Mietmarkt sind es jedoch 7,7%, im geförderten Bereich nur 3,6%.
Zahlen von Statistik Austria/Eurostat zeigen jedoch, dass in Österreich 25% des Einkommens für Wohnkosten aufgewendet wird, 15% der Haushalte gelten demnach als überbelastet (Wohnkosten/Einkommen > 40%). Die Mieten wären von 2009 bis 2024 im privaten Bereich um 90% gestiegen, im gemeinnützigen Bereich um 58%, ebenso wie das verfügbare Einkommen (GBV Research Brief).
Die Entwicklung der Leistbarkeit in den letzten Jahren in Österreich hat zuletzt die Nationalbank auf Basis von Zahlen der Statistik Austria breit thematisiert. Seit 2022 wurden Immobilien wieder leistbarer. Allerdings hat sich zuvor die Schere zwischen Immobilienpreisen und Einkommen seit 2010 immer weiter geöffnet.
Eine einfache Rechnung dazu: Setzt man die Leistbarkeitsgrenze bei 40% des verfügbaren Einkommens an, ist bei einer Nettomiete von 20 Euro (wie im Neubau in Wien aktuell nicht unüblich) plus Umsatzsteuer plus Betriebskosten ein Bruttoeinkommen von 5.250 Euro monatlich erforderlich, um sich eine 60 m² Wohnung leisten zu können. Bei einer Nettomiete von 10 Euro (im geförderten Bereich) wäre immer noch ein Bruttoeinkommen von 2.400 Euro erforderlich.