Skip to main content

Hoher Stellenwert von Freiflächen im Wohnungsneubau

Eine aktuelle Masterarbeit von Philipp Distel an der TU Wien verdeutlicht eindrucksvoll: Freiflächen sind im Wohnungsneubau spätestens seit Corona nicht mehr wegzudenken, die Qualität wird aber oft als nur unzureichend empfunden! 

In der von Matthias Grosse betreuten, lesenswerten Arbeit hat Herr Distel einerseits umfassende Daten aus der Bauträgerdatenbank Exploreal zwischen 2018 und 2023 für Wien ausgewertet (knapp 25.000 Wohnungen), und andererseits eine ausführliche Befragung von NutzerInnen durchgeführt (Sample von 255 TeilnehmerInnen). Dabei zeigt sich, dass bei 9 von 10 Wohnungen in Bauträgerprojekten eine Freifläche vorhanden ist, im Bestand ist dies laut Statistik Austria bei nur rund der Hälfte aller Wohnungen der Fall. Die Wohnzufriedenheit liegt laut Mikrozensus-Befragungen beim Wohnen mit Freiflächen überdurchschnittlich hoch bei 8,6 von 10 möglichen Punkten, bei Gärten sogar bei 8,8. Die Zufriedenheit ohne Freiflächen erreicht hingegen nur 7,2 Punkte.

 

Image
Bedeutung von Freiflächen

Der Balkon ist klarerweise die am häufigsten verbaute Freiflächenart, obschon Nutzer zu über 56% eine Dachterrasse bevorzugen würden. Kombinierte Lösungen (zB Loggia und Balkon) würden von 15% der Befragten bevorzugt; deutlich mehr als aktuell verbreitet (6%). Aussicht, Ausrichtung, Blickdichtheit und Größe sind mit jeweils über 70% der Nennungen besonders wichtig für die Wohnzufriedenheit. Nebauten (zufrieden: 84%) schneiden deutlich besser ab, als Altbauten (57%). Auch die Zahlungsbereitschaft wurde abgefragt: Diese bewegt sich mehrheitlich im Bereich von 6-10% höherer monatlicher Kosten für einen Freiraum. 

Die Arbeit von Herrn Distel bietet so nebenbei zudem einen hervorragenden Überblick über die unterschiedlichen Freiraumtypen (bis hin zur Pawlatsche) sowie eine auf den Punkt gebrachte rechtliche Einordnung des Freiraums, insbesondere was die oft ins Absurde gehende rechtliche Behandlung der Loggia betrifft. In eigenen Kapiteln widmet er sich ganz praktisch der technischen Konstruktion sowie den Möglichkeiten für Bauträger, die Qualität von Freiräumen zu heben. 

Schließlich sind „wohnungsbezogene Freiflächen heute ein unverzichtbares Element nachhaltiger, gesunder und resilienter Wohnformen. (…) Die Herausforderung für künftige Planungen liegt in der Verknüpfung von Sicherheitsstandards, Komfortansprüchen und ökologischer Verantwortung.“, meint er in seiner Arbeit. Selbstverständlich ist die Qualität letztlich aber stark kontextabhängig und von planerischen, finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen abhängig.

>> zur Masterarbeit von Philipp Distel: Anforderungen an private Freiräume im Wiener Wohnbau: Typologien und Nutzerperspektiven im Vergleich